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Calvin Burdine

 

 

Juni 2003
Der Staat bietet der Verteidigung einen Handel an. Calvin muss sich schuldig bekennen, dann wird es keinen Prozess geben, ihm bleibt die Möglichkeit eines erneuten Todesurteils erspart und bekommt stattdessen eine lebenslange Haftstrafe, was in seinem Fall mindestens 20 Jahre bedeutet.
Calvins Anwälte raten ihm, den Deal anzunehmen, in Harris County werden sehr viele Todesurteile gesprochen, so dass die Gefahr eines erneuten Todesurteils groß ist, außerdem sind die Kassen leer, so dass die Verteidigung praktisch pleite ist.

19. Juni 2003
Calvin akzeptiert das Angebot des Staates.

 

Inhalt

 

Chronologie der Geschehnisse

Das Verbrechen / Die Täter

Ein schlafender Anwalt und die Folgen

Erklärung des Vorsitzenden der Jury

Artikel und Texte

 

 

 

Chronologie der Geschehnisse


23. Januar 1984
der Mordprozess gegen Calvin beginnt

27. Januar 1984
Strafzumessungsverhandlung - Calvins Strafverteidiger Joe Frank Cannon bietet keinen Beweis zu Calvins Gunsten und schweigt dann.
Calvins Strafverteidiger argumentiert nur 29 Minuten um die Todesstrafe effektiv abzuwenden.
Nach ungefähr 2-1/2 Stunden Beratung kommt die Jury zu dem Urteil, das dazu führt, dass das Gericht die Höchststrafe verhängt: Tod durch die tödliche Injektion

15. Oktober 1986 - 1. Hinrichtungstermin - Aufschub

15. Oktober 1986
Das Berufungsgericht von Texas bestätigt die Verurteilung

23. März 1987
"Writ of Certiorari" wird eingereicht

4. Mai 1987
Petition auf Anhörung wird vom Obersten US Bundesgericht abgelehnt

22. Juli 1987
Habeas Corpus Berufung (Haftprüfung) wird beim Bundesgericht eingereicht

4. August 1987 - 2. Hinrichtungstermin - Aufschub

7. Oktober 1987 - 3. Hinrichtungstermin - Scheinhinrichtung - Aufschub


12.- 14. September 1993
Beweisanhörung im Bezirksgericht von Houston

29. Juni 1994
Habeas Corpus Berufung wird abgelehnt

17. Januar 1995 - 4. Hinrichtungstermin - Aufschub

3. Februar 1995
Neue Beweisanhörung in dem Fall vor dem Bezirksgericht des Staates, es geht darum, dass der Verteidiger während weiter Teile des Prozesses geschlafen hat, was zu ineffektiver Verteidigung führe.
Das Gericht befindet, dass Calvins Behauptung, die Verteidigung sei sowohl während der Strafzumessungsverhandlung als auch während des gesamten Prozesses ineffektiv gewesen, schon in seiner vorausgegangenen Habeas Corpus Berufung vorgebracht und abgelehnt wurde.
Das Gericht findet Calvins Behauptung sehr spekulativ, dass mindestens 2 Geschworene in der Strafzumessungsphase von Calvins Prozess anders entschieden hätten, wenn der Verteidiger Joe F. Cannon während des Prozesses und der Strafzumessungsverhandlung Beweise zu seinen Gunsten vorgebracht hätte.

28. Februar 1995 - 5. Hinrichtungstermin - Aufschub

3. April 1995 - 6. Hinrichtungstermin - Aufschub


4. April 1995
In Anbetracht Calvins Beschwerde, das der Strafverteidiger während des Prozesses wiederholt döste und sogar schlief, kommt das Gericht zu dem Schluss, dass Calvins Verurteilung ungesetzlich erlangt wurde.
Es wird dem Berufungsgericht von Texas deshalb empfohlen, der Berufung in diesem Fall stattzugeben.

April 1995
Das Berufungsgericht sendet Calvins vollständigen Falls an das Bezirksgericht in Houston und erklärt, dass dem Klagebegehren stattgegeben und ein neuer Prozess anberaumt werden sollte.

September 1999
Gerichtsorder: Basierend auf dem vorhergegangenen, bestimmt das Bundesgericht hiermit: der Habeas Corpus Berufung wird stattgegeben und die Verurteilung aufgehoben. Dementsprechend wird angeordnet, dass der Staat von Texas Burdine innerhalb von 120 Tagen nach Eintreten des Beschlusses entweder neu vor Gericht bringen oder freilassen soll.

27. Oktober 2000
Das Board aus drei Richtern des 5. Bundesberufungsgericht hebt die Entscheidung des Gerichts in Houston auf und setzt sowohl Verurteilung als auch Todesurteil wieder in Kraft.

13. August 2001
Das gesamte 5. Bundesberufungsgericht hebt die Verurteilung auf und ordnet einen neuen Prozess an.

Artikel 1   Artikel 2  

Artikel im Houston Chronicle 2001

 

Artikel 3

New York Times

 

Januar 2002
Die Staatsanwaltschaft macht klar, dass sie Calvin tot sehen möchte und ist beim Obersten US Gerichtshof in Berufung gegangen. Es kann noch 6 - 8 Monate dauern bis der Oberste Gerichtshof endgültig darüber entscheidet, ob Calvin einen neuen Prozess bekommt.

 

  

Houston Chronicle - 29.01.2002

 

3. Juni 2002
Der Oberste US Gerichtshof weist die Klage des Staates Texas gegen den neuen Prozess von Calvin Burdine ab. Das bedeutet, dass er entweder einen neuen Prozess bekommt oder freigelassen wird.

2. Juli 2002
In einem Brief schreibt Calvin, dass die Staatsanwaltschaft auf einen schnellen Prozess drängt. Es soll wohl schon im Oktober mit der Auswahl der Geschworenen begonnen werden. Calvin ist jetzt im County Jail von Houston.

3. Juli 2002
Die Richterin weigert sich, Calvins Anwalt, der ihn seit 15 Jahren vertritt als Pflichtverteidiger für den Prozess zuzulassen.

22. Juli 2002
Der Prozessbeginn wird auf den 7. Oktober angesetzt. Die Richterin will einen Anwalt als Pflichtverteidiger einsetzen, der noch nie mit dem Fall zu tun hatte.

15. August 2002
Das Texas Berufungsgericht lehnt die Klage von Calvin Burdine ab, die fordert, dass Robert McGlasson, der Calvin seit mehr als 15 Jahren vertritt, beim Prozess als Pflichtverteidiger zugelassen wird.

29. August 2002
96 Tage von der Anklage bis zum Prozessbeginn sind zu wenig, um eine kompetente Verteidigung vorzubereiten. D. Recer, die seit kurzem an Calvins Fall arbeitet, fordert eine Verschiebung des Prozessbeginns.

September 2002
ACLU klagt beim Bundesgericht, damit Robert McGlasson Calvin weiter verteidigen kann.
40 Anwälte aus Harris County (Mitglieder der lokalen Anwaltskammer) schreiben einen offenen Brief, um eine Verschiebung des Prozessbeginns zu erreichen.

20.09.2002
Richterin Huffman verschiebt den Prozessbeginn auf den 3. März 2003

 

 

Burdine Artikel
Houston Chronicle Artikel Okt. 2002

 

Frühjahr 2003
Der Prozessbeginn wird auf August verschoben.

 

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Das Verbrechen / Die Täter

 

W. T. „Dub“ Wise wurde am 18. April 1983 in seinem Haus in Houston, Texas ausgeraubt und ermordet. Burdine und Wise hatten eine homosexuelle Beziehung und lebten seit dreieinhalb Monaten zusammen. Calvin Burdine gestand, zu der Zeit als W.T. Wise ermordet wurde, anwesend gewesen zu sein und über den geplanten Überfall Bescheid gewusst zu haben. Jedoch gibt es zwingende Beweise, dass ein Komplize, Douglas McCreight, W.T. Wise in Wirklichkeit ermordet hat.

Interessanterweise bekannte sich Douglas McCreight des Mordes schuldig, was bedeutet dass er der Mörder wäre. Calvin Burdine bekannte sich nicht-schuldig, wurde aber im Prozess für schuldig erklärt.

Calvin Burdine wurde zum Tode verurteilt, Douglas McCreight wurde, nachdem er 8 Jahre verbüßt hatte, auf Bewährung entlassen.

 

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Ein schlafender Anwalt und die Folgen...

 

Es gibt keinerlei Zweifel daran, dass Calvin Burdines Anwalt, Joe Frank Cannon während maßgeblicher Teile in Burdines Mordprozess einschlief. Die rechtliche Frage lautet, ob ein Anwalt, der zweifelsohne während Teile eines Prozesses schläft, seinem Klienten dann noch die verfassungsgemäß garantierte, effektive Unterstützung geben kann.

Am 29. September 1999 entschied der US Bezirksrichter David Hittner, dass ein schlafender Anwalt einem nicht vorhandenen Anwalt gleichkomme. Hittner hob die Verurteilung auf und gab der Staatsanwaltschaft 120 Tage Zeit, um einen neuen Prozess in Gang zu bringen. Als diese Frist verstrich ordnete Hittner die Freilassung von Burdine an.

Nichts geschah... bis am 27. Oktober 2000 das US Berufungsgericht des fünften Gerichtsbezirks anders entschied. Das Gremium aus drei Richtern bestehend urteilte: Ein Anwalt, der von Zeit zu Zeit einschläft steht nicht im Widerspruch zum verfassungsmäßigen Recht auf einen fairen Prozess.

Calvin Burdines Anwalt erhob gegen diese Entscheidung Einspruch.

 

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Erklärung des Vorsitzender der Jury

 

Folgendes ist die unter Eid abgegebene Erklärung von Daniel Strickland, dem Juryvorstand des ersten Prozesses.

Ich, Daniel Strickland, bestätige, dass das Folgende wahr und richtig ist.

Mein Name ist Daniel Strickland, ich habe meinen Wohnsitz derzeit in Travis County, Texas. Ich bin über 18 Jahre und deshalb ist diese eidesstattliche Erklärung zulässig. Alle Fakten die hier hervorgebracht sind, entstammen meines persönlichen Wissens.
Im Januar 1984 war ich der Juryvorstand der Harris County Jury, die den Mordprozess anhörte, der gegen Calvin Jerold Burdine geführt wurde.

Während des Prozesses und der Strafzumessungsphase bemerkten mehr als ein Jurymitglied und ich, das der Strafverteidiger während des gesamten Prozesses und der Strafzumessungsanhörung schlief.

Als der Staat seinen Fall gegen Mr. Burdine währen der Schuldig/Unschuldig Phase des Prozesses abschloss, das ist, bevor die Verteidigung ihre Beweise präsentiert (wo sich herausstellte, dass es keine gab), hatte ich begründete Zweifel an Mr. Burdines Schuld n Bezug auf die Anklage wegen Mord ersten Grades.

Im Besonderen glaubte ich nicht der Aussage des Polizeibeamten, der bezeugte, dass Mr. Burdine den Mord gestanden habe.

Bis zu diesem Zeitpunkt war der Fall des Staates nicht ausreichend, um mich von meinen begründeten Zweifeln wegzubringen, das Mr. Burdine den Mord begangen hatte, dessen er vom Staat beschuldigt wurde.

Aber nachdem es der Verteidiger abgelehnt hatte, irgendwelche mildernde Umstände vorzubringen, begann ich ernste Zweifel an Mr. Burdines Schuld oder Unschuld zu haben.

Nachdem Joe Frank Cannon, durch das Gericht bestellter Pflichtverteidiger, verlangte, dass Calvin Jerold Burdine während der Strafzumessungsphase vor die Geschworenen tritt, aber nicht um sein Leben bitte, war es für uns alle nicht zu verstehen, es erschien uns, als würde der Verteidiger absichtlich irgend etwas vor uns verbergen.

Wenn der Strafverteidiger Joe F. Cannon auch nur irgendwelche mildernden Umstände vorgebracht hätte, wäre der Ausgang diese Falles aller Wahrscheinlichkeit nach vollkommen anders gekommen. Es hätte schlicht keine Todesstrafe in diesem Fall gegeben.

 

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Artikel und Texte

 

 

Mehr als nur eine Nummer


Ich spreche hier weder als Unschuldiger, eher als schuldiger Mann mit einem Teil Unschuld. Ich spreche von einem Teil meiner selbst, der uns alle verbindet, der menschlichen Seele! Das Beste von uns ist zugleich das Schlimmste und umgekehrt.

Ein Gefängnis ist zugleich der Spiegel der Gesellschaft. Das erschreckt die Menschen oft und deren Reaktion ist, ihre Menschlichkeit zu vergessen.

Sie rufen: " Mehr Gefängnisse! Längere Haftzeiten! Die Todesstrafe!" Sie erachten die Schlimmsten unter uns als aufgegeben für immer, ungefähr so, als ob man Müll entsorge. Bedenken wir aber; keine Mutter hat je Müll , einen Verbrecher, oder gar ein Monster geboren. Ob wir es nun gut finden oder nicht; Verhalten wird anerzogen - "der Spiegel der Gesellschaft".

Ich bin nicht mehr der Mann, der ich einmal war. Ich bin jetzt ein 48 Jahre alter Student des Lebens, und ich verbringe meine Tage in dieser Isolation und suche nach Antworten auf Fragen des Lebens und dessen viele Kämpfe. Einmal hörte ich, dass du, wenn du versuchst, das Universum zu verstehen, keine Antwort darauf findest, aber wenn du versuchst, dich selbst zu verstehen, auch das Universum verstehen lernst.

Trotz aller Bemühungen dieses "Systems", uns zu entmenschlichen und unseren Charakter zu diffamieren, stehe ich hier aufrecht uns rufe" ICH BIN MEHR, ALS NUR EINE NUMMER!" Da sind so viele von euch, denen ich diesen tröstenden Gedanken schulde. Und ich bin fähig, diese Worte auszurufen, weil ich durch euch so viel Freundlichkeit, Liebe und Unterstützung erfahren durfte und diese Unterstützung gibt mir wieder Hoffnung, und sie lässt mich fühlen, dass ich ein Mensch bin - mehr als nur eine Nummer. Also an an ALIVE , deren Mitglieder und Freunde in allen Ländern; DANKE!
Eure wunderbare Liebe und Freundlichkeit erntet, was sie gesät hat... Liebe wird zurückgegeben.

Wenn Ihr das hier lest und habt bislang noch keine freundschaftlichen Kontakte zu jemanden im Todestrakt irgendwo in Amerika, und ihr seid unsicher, ob ihr das nicht auch mal versuchen wollt, möchte ich euch folgende Zeilen schreiben:

WIR KÖNNEN MENSCHEN NICHT DANACH BEURTEILEN, WAS SIE EINMAL WAREN; ODER WAS SIE TUN WERDEN DANACH; WAS SIE EINST TATEN. ALTER UND BESSERUNG MACHEN MENSCHEN WEISER UND ERFAHRENER - DAS SCHLIMMSTE HEILT WAHRSCHEINLICH DIE ZEIT. BITTE, STRECKT EURE HAND AUS IN RICHTUNG DIESER WARTENDEN HERZEN.

Alles, was diese Menschen brauchen ist, zu wissen, dass sie nicht nur eine Nummer sind.

Letztlich, wo die Todesstrafe eine Rolle spielt, bleiben auch weiterhin Fragen offen und es gibt auch weiterhin Hinrichtungen.
Ein Echo beginnt mit einer einzelnen Stimme, aber ein donnernder Wiederhall wird von einer Menschenmenge kommen.

Bitte kämpft mit mir und uns allen hier und ruft: " Die sagen TODESTRAKT, wir sagen NIEMALS!

Ich werde den Kampf überleben!


Calvin J. Burdine

 

 

Ein Brief aus einer anderen Welt

 

von Calvin J. Burdine

 

Für alle, die ich liebe...
Wie kann nur zu Papier bringen, was ich euch, außerhalb dieser Mauern, sagen möchte? Niemand kann wissen - niemand, der nicht ein weiß gekleideter, gesichtsloser Niemand ist. Ich weiß nicht einmal, wie ich es euch erzählen soll, aber ich kann versuchen, es euch verständlich zu machen.
Ich werde niemals wieder der Selbe sein, aber ich möchte, dass mich jemand versteht - trotzdem.

Ich kann nicht sanft sein, denn meine Welt ist nicht sanft.
Ich kann nicht liebenswürdig sein, denn Liebenswürdigkeit wird in meiner Welt als Schwäche ausgelegt und Schwäche macht verletzlich.
Versteht bitte, ich habe mich hier drinnen so verändert, nachdem ich meiner Identität und meines Selbstrespekts beraubt wurde; verändert, seit ich Tag für Tag wie ein dummes Kind behandelt werde und gezwungen bin, in dieser unendlichen Verlassenheit zu leben, ohne jede Möglichkeit, diesen unsäglichen Lebensbedingungen zu entfliehen.
Das Leben ist hier wie in einem Goldfischglas, wo man nicht mal unbeobachtet auf der Toilette sitzen kann. Beginnt ihr zu verstehen, wie das ist, nackt ausgezogen unter hasserfüllten Augen dazustehen, wie sehr es deinen Stolz und die Würde verletzt, und wie lange es braucht, ehe solch hässliche Wunden heilen können?
Versucht zu verstehen, wie schrecklich es ist, eines morgens an der Zelle eines Mitgefangenen vorbeizukommen und auf dem Boden Blutlachen und -klumpen zu sehen und zu wissen, er hat sich die Pulsadern aufgeschnitten, weil er das Leben hier nicht länger ertragen konnte...
Es ist hart mit anzusehen, wie jemand unter all dem Stress schließlich zusammenbricht und überschnappt und zu erleben, wie er unter den massiven Dosen von Psychopharmaka zum "menschlichen Gemüse" mutiert.

Jeden Tag sehe ich mich Angriffen auf meine Persönlichkeit ausgesetzt. Meine Gefühle muss ich unterdrücken, um nicht den Verstand zu verlieren. Hier drinnen überlebt man nur, wenn man eine Rolle spielt; man setzt einen möglichst gleichgültigen Blick auf und verbirgt seine wirklichen Gedanken über diese, so kranke Welt hier drinnen.

Früher oder später wird man immer gefragt; " Wie ist das im Gefängnis?", und "Wie ist das so im Todestrakt?"
Ich bin jeden Tag hier, den ganzen Tag, und ich wünschte wirklich, es nicht zu wissen. Die einfachste und treffendste Antwort ist, ironischerweise, (ich entschuldige mich für den schlechten Scherz) "Ihr müsstest mal dort sein!"
Aber das würde nicht genügen, denn die Frage würde zweifellos von jemandem kommen, der eine bessere Antwort verdient hätte.

Das Hauptproblem ist, dass vorgefasste Meinungen über das Gefängnis darauf warten, dass die Antworten diese noch untermauern, dazu kommt die Realitätsferne von Ausschnitten aus Filmen, Zeitungsartikeln und Fernseh-Dramen.
Eine bildliche Beschreibung, falls das überhaupt möglich ist, steht da gegen die Gerüchte, die verstärkt durch die Medien verbreitet werden..

Ich glaube, es wäre sehr viel einfacher zu beschreiben, wie Gefängnis und Todestrakt NICHT sind.
Es ist dort nicht, wie in einem Country Club. Es ist auch nicht ein Verlies oder eine Folterkammer.
Es ist wahrscheinlich nicht so schlecht, wie ihr vielleicht denkt; aber dennoch ist es wahrscheinlich sehr viel schlimmer. Das führt dann zu meinem Lieblingsirrtum: "Gefängnis ist, was du daraus machst!" Im engeren Sinn ist das die reine Wahrheit, denn man kann aus der Situation keinen Urlaub oder Feiertag machen, so sehr man das vielleicht auch versuchst.

Ein anderer, ständiger Satz ist: "Gefängnis und Todestrakt sind lehrreiche Erfahrungen".
Das stimmt, aber dasselbe könnte man ja auch nach einem Herzanfall sagen.
Man kann den Todestrakt am besten als "erbarmungslose Wahrheit und unbestreitbare Tatsache" bezeichnen.
Ungeachtet dessen, was dich hierher gebracht hat, ob deine Berufungen erfolgreich sind oder nicht, ungeachtet dessen, wie du als Gefangener eingestuft wurdest, Todestrakt bedeutet vor allen Dingen eines: Einsamkeit.
Nun, wie ist das nun wirklich im Gefängnis und im Todestrakt? Es bedeutet, abends schlafen zu gehen und sich zu fragen, ob da draußen jemand ist, der einen vermisst, und selbst seine Lieben zu vermissen, so sehr, dass man sein Herz verhärten muss, um zu überleben.
Für mich ist es, lässig auf die Post zu warten, so wie vielleicht ein Alkoholiker darauf wartet, eine glückliche Stunde zu erleben. Gefängnis und Todestrakt sind, im Radio einen Song zu hören und sich von diesem in Gedanken in die Zeit und an den Ort zurückversetzen zu lassen, wo man das letzte Mal "ich liebe dich" gesagt hat. Meiner Meinung nach würdest du eher zur Hölle fahren (ein entfernter Cousin von Gefängnis und Todestrakt), die man damit vergleicht.

Jede Art von Hunger, Unrecht, Verderbtheit oder Erniedrigung, die mit dem Gefängnis und Todestrakt in Zusammenhang gebracht werden können, stehen mit Sicherheit im Zusammenhang mit Isolation und Einsamkeit. Nur eine Nummer unter vielen zu sein, geht einem Menschen gegen den Strich. Ich kann euch sagen, dass Essen ist meist schrecklich. Und jemanden zu treffen, der dich scheinbar eher anspucken würde als zu lächeln, kann zumindest ausgesprochen trostlos sein. Aber mit fast allem kann man umgehen, meine Freunde, außer mit der Einsamkeit.

Ich sage nicht, dass die öffentlichen Konzepte für Gefängnisse und Todestrakte über- oder unterschätzt worden sind, oder völlig falsch sind; ich sage nur, dass die Isolation und Einsamkeit sind unvorstellbar.

Ihr müsstet einmal hier sein...

 

 

 

Calvin hat einen kleinen Gedichtband (in Englisch) zusammengestellt.

Gedichtbuch Calvin

Dieser Gedichtband kann in unserem Shop käuflich erworben werden.

Das im Shop erhältliche ALIVE Gedichtbuch "Stimmen von Drinnen" enthält ebenfalls einen Beitrag von Calvin.

 

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Zur Person

 

geboren am:
28. März 1953

zum Tode verurteilt:
Februar 1984

neuer Prozess gewährt:
3. Juni 2002

zu lebenslanger Haft  verurteilt:
19. Juni 2003

 

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Kontakt

 

Calvin Burdine
# 1181475
Michael Unit
P.O. Box 4500
Tennessee Colony, TX 75886
USA

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